Strukturveränderungen und volatile Rohstoffpreise
Der größte Backwarenmarkt in Europa kämpft nach wie vor mit Strukturveränderungen, volatilen Rohstoffmärkten und der Herausforderung, die Abfallmengen zu verringern. Doch dem Verband der deutschen Großbäckereien fehlen präzise Daten.
Es war wie immer, der Verband der deutschen Großbäckereien lud zur Jahrespressekonferenz am 8. September 2011 und anschließend berichteten Dutzende von Tageszeitungen über Preissteigerungen von rund 3 %, die nötig seien, um Energie- und Getreidepreisentwicklung auszugleichen. Das allerdings waren neben den Daten der Umsatzsteuerstatistik 2009 denn auch schon die präzisesten Zahlen, die auf der Pressekonferenz genannt wurden. Nach wie vor verfügt der Verband über keine interne Statistik, die auch nur annäherungsweise die Veränderungen und Herausforderungen der darin organisierten Liefer- und Filialbäckereien beziffern könnte.
Auch die 3 % wurden noch auf der Pressekonferenz von Verbandspräsident Helmut Klemme und Hauptgeschäftsführer Helmut Martell relativiert. Die Entscheidungsgewalt über die Preise am Brotregal liege nun mal beim Handel.
Deutlich zahlenlastiger zeigte sich zwei Tage später auf der Mietgliederversammlung des Verbandes der Vortrag von Dietmar Pech-Lopatta von der GfK SE aus Nürnberg über die aktuellen Entwicklungen auf den Backwarenmärkten. Während sich die Preise für Konsumgüter des täglichen Bedarfs (FMCG= fast moving consumer goods) im ersten Halbjahr 2011 im Lebensmittelhandel bei den Vollsortimentern um 1,4 % und bei den Discountern um 3,8 % nach oben bewegten, stand bei den Preisänderungsraten für Brot insgesamt gegenüber dem Vorjahresmonat in vier der ersten sieben Monate dieses Jahres eine Fünf vor dem Komma. Dabei kommt es zu enormen Preisspannen zwischen den Vertriebstypen. Bei einem Durchschnittspreis für 1 kg Roggenmischbrot von 1,97 EUR lagen im ersten Halbjahr 2011 die traditionellen Bäckereien um 0,46 EUR über der Durchschnittsmarke, während Lidl sie bei der Regalware um 0,99 EUR unterbot. Die Verbraucher konnten also aussuchen, ob sie ihr 1-kg-Roggenmischbrot für 0,98 EUR aus dem Regal des Discounters nehmen oder für 2,43 EUR von der Bäckereiverkäuferin über die Theke gereicht bekommen wollten.
Backstationen im Discount buhlen mit Kampfpreisen für Brot um die Kunden
Dabei waren es die Discounter, die im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im ersten Halbjahr dieses Jahres die Brotpreise am Regal mit rund 8 % am stärksten wachsen ließen. Allerdings gibt es eine krasse Ausnahme: Brot, das aus den Backstationen der Discounter kam, lag im ersten Halbjahr 2011 im Preis um 5,3 % unter den Preisen des ersten Halbjahres 2010. Traditionelle Bäckereien erhöhten die Preise um 3 %, Vorkassenzonenbäcker um 0,6 %.
Bei den Brötchen waren es die Discounter ohne Backstation, die mit 13 % Preissteigerung im ersten Halbjahr 2011 den Vogel abschossen, während alle traditionelle Bäcker, Vorkassenzonen sich mit 2,7 bzw. 2,8 % zufrieden gaben. Die Backstationen der Discounter erhöhten die Preise allerdings nur um 0,8 %.
Von den Ausgaben für Nahrungsmittel und Getränke, die zuhause verzehrt werden, widmeten die Bundesbürger in den vergangenen Jahren stabile 5,7 % dem Brot- und Brötcheneinkauf. Der Anteil der Discounter daran liegt derzeit bei 20 %. Legt man allerdings die Mengen zugrunde, verfügen die Discounter inzwischen über einen Marktanteil von 33,6 %.
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Karriere für das Laugengebäck
Während die Bundesbürger seit 2009 in fast allen Sortimentsbereichen des Backwarenmarktes ihre Verbrauchsmengen eingeschränkt haben, gibt es bei Laugengebäck eine gegenläufige Entwicklung. Die erheblichen Kapazitätszuwächse brachten von 2009 auf 2010 einen Verfall des Endverbraucherpreises pro Stück um 3,9 %, was zu einer Steigerung der Einkaufsmenge um 9,6 % führte. Im ersten Halbjahr 2011 stiegen die Preise für Laugengebäcke wieder um 7,4 % gegenüber dem ersten Halbjahr 2010, doch die Konsumenten reagierten nicht mit einer Kaufverweigerung, sondern legten mengenmäßig sogar noch 1,3 % drauf. Familien mit Kindern sind an dieser Erfolgsgeschichte nicht ganz unbeteiligt. Während ihr Kaufanteil bei Brötchen insgesamt bei 25 % liegt, kommen sie bei Laugengebäcken auf stattliche 33 %. Überboten wird das nur noch von den Croissants und Hörnchen, von denen 38 % bei den Familien mit Kindern landen.

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Backstationen gewinnen Marktanteile
13.000 Haushalte in Deutschland verraten dem GfK Frischepanel regelmäßig, was und wo sie einkaufen. Basierend auf diesen Zahlen hat der Anteil der Backstationen am Broteinkauf inzwischen auf 10 % zugenommen. Bundesweit kommen Bedientheken auf 38 %, während das SB-Regal bei 52 % liegt. Betrachtet man dagegen nur das Gebiet von Aldi Süd, so liegt der Anteil der Backstationen zwar auch hier bei 10 %, doch der Anteil der Bedientheken hat sich seit 2005 von 48 % auf 45 % verringert, während das Regal von 48 % auf 46 % zurückfiel. Allerdings bescheren die Backstationen den Discountern keine Mengenzuwächse in dem insgesamt schrumpfenden Backwarenmarkt, sondern nur Verschiebungen. Am gesamten Brot- und Kleingebäckabsatz (ohne Toastbrot) der Discounter liegt der Anteil der Backstationen mengenmäßig inzwischen bei 29 %. 2005 lag dieser Wert noch bei 8 %.
Lidl deutlich stärker als Aldi
Es ist allerdings ein gewaltiger Unterschied, ob man Aldi oder Lidl ins Visier nimmt. Bei Aldi Süd sind es derzeit rund 21 % des Brot- und Kleingebäckumsatzes und 17 % der Absatzmengen, die von den Backstationen generiert werden. Das ist Welten entfernt von den Lidl-Zahlen. Dort liefern die Backstationen inzwischen 55,8 % des Backwarenumsatzes und 44,3 % der Absatzmengen. Das liegt allerdings auch daran, dass Aldi im Regal wie in der Backstation durchschnittlich mehr Geld verlangt für die Ware als Lidl und auch der Abstand zwischen Regal- und Backstationspreisen bei Lidl wesentlich kleiner ausfällt als bei Aldi. Beide holen die Umsatze ihrer Backstationen in erster Linie vom restlichen Lebensmittelhandel und dessen Backstationen, an zweiter Stelle steht in beiden Fällen das Bäckerhandwerk, Platz 3 gebührt den eigenen Einkaufsstätten und Platz 4 schließlich den Läden des direkten Konkurrenten.
Verbandspersonalien
Helmut Klemme wurde in seinem Amt als
Präsident des Verbandes Deutscher Großbäckereien e.V. von der
Mitgliederversammlung des Verbandes bestätigt. Ebenfalls wiedergewählt
wurden Alexander Heberer, Wiener Feinbäckerei Heberer GmbH, für die
Filialbäckereien und Hans-Jochen Holthausen, Harry Brot GmbH, für die
Lieferbäckereien.
Rechtanwalt Alexander Meyer Kretschmer ist zum
1. September 2011 in die Geschäftsführung des Verbandes Deutscher
Großbäckereien e.V. eingetreten. Er übernimmt dort unter anderem das
Justitiariat mit Schwerpunkt Lebensmittelrecht. Meyer-Kretschmer war
zuvor neun Jahre für den Verband Deutscher Mühlen e.V., zuletzt in
dessen Berliner Büro, tätig. Seit mehreren Jahren war er bereits
Mitglied im Ausschuss für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde des
Verbandes Deutscher Großbäckereien.
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