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Sonnenblumenkerne – Markt weiter short

Aktuelle Marktlage:geschälte Sonnenblumen-kerne sind aktuell weiterhin ein sehr knapp verfügbares Gut auf dem inner-europäischen Markt. So ist es nicht verwunderlich, dass die Preisentwicklung der vergangenen Monate nur einen Weg kennt: den nach oben. Derzeit notieren die Preise etwa 25 % über denen des Vorjahreszeitraumes. Diese Verteuerung wird momentan jedoch durch den starken Euro gegenüber dem US-Dollar kaschiert. Die reale Verteuerung des Rohstoffes beträgt somit ca. 35 % gegenüber dem Vorjahr und ca. 60 % gegenüber 2005. Die mäßigende Wirkung des Dollars lässt sich grafisch im Chart an der zunehmenden Spannweite zwischen den Kurven erkennen.

Für die Knappheit am Markt spielen mehrere Faktoren eine Rolle: der wichtigste Grund für die Preissteigerung liegt in der Tatsache, dass der Teil der Sonnenblumenkerne, der zu Speisezwecken geschält wird, im Verhältnis zur Gesamtmenge lediglich ein verschwindend kleiner Teil ist. Der überwiegende Teil der Erntemenge wird zur Ölpressung verwendet; ein weiterer Teil findet noch in der Futtermittelindustrie Verwendung. Folglich hängt der Preis der geschälten Ware direkt vom (Sonnenblumen)Ölpreis ab. Die Märkte für Öl aber sind mittlerweile global und das Preisniveau für Öl, wie auch für die Rohware zur Ölpressung, ist weltweit sehr einheitlich. tl_files/f2m-media/images/backwelt-thema/sonnenblumenkerne_china2.jpg
Durch die steigende Nachfrage für Öl - unter anderem auch aufgrund aktueller Imagekampagnen für Sonnenblumenöl der chinesischen Regierung - kam es zu einer Verteuerung des Ölpreises um ca. 34% verglichen mit Oktober 2006. Im Gegensatz zu den Schälbetrieben verfügen die Ölmühlen über eine starke Finanzkraft. Sie sind in der Lage, große Mengen an Rohware aufzukaufen und prompt, meist bar ab Feld, zu bezahlen. Viele Schälbetriebe hingegen, welche die Aufkäufe bisher über Kredite finanziert hatten, haben dieses Jahr keine Kredite bekommen (Verlustgeschäfte des letzten Jahres). Daher können diese, auch für bereits geschlossene längerfristige Kontrakte, die Rohware nur Zug um Zug aufkaufen. In Anbetracht dieser Situation ist es daher nicht verwunderlich, dass viele der bereits geschlossenen Kontrakte schon jetzt storniert wurden oder nur sehr schleppend erfüllt werden, um die Verluste so gering wie möglich zu halten.

Höhere Preise trotz größerer Ernte

Ein weiterer Grund für die Verknappung ist auch, dass trotz einer im Vergleich zum Vorjahr fast doppelt so großen Aussaatfläche die Ernte nur um ca. 40% größer ausfiel. Verantwortlich dafür sind Überschwemmungen im Huanghe Gebiet und die geringere Ausbeute der aktuellen Ernte.

Neben der Warenknappheit kommen dieses Jahr auch noch logistische und administrative Hürden hinzu. So mussten z.B. alle Exporteure neue Exportlizenzen (CIQ) beantragen. Diese wurden jedoch nicht an alle Bewerber vergeben. Zurzeit gibt es z.B. nur drei oder vier Unternehmen mit gültiger Lizenz in Inner Mongolia, neben dem Xinjiang Distrikt das Hauptanbaugebiet von Sonnenblumenkernen (bakery). Ebenso knapp wie teuer sind freie Containerplätze auf den Schiffen von China nach Europa. Zu beachten ist auch, dass viele Exporteure neue Kontrakte in Euro und nicht mehr in USD abschließen.

Osteuropa erfüllt Kontrakte schleppend

Zu der unzureichenden Verfügbarkeit aus China kommt dieses Jahr ein weiterer preistreibender Faktor hinzu. Schon zu Jahresbeginn wurden große Kontrakte mit Osteuropa geschlossen. Dies hat auch dazu beigetragen, dass US-Ware dieses Jahr eher schwach im Markt vertreten ist, zumal auch hier sehr viel Ölware für den Inlandsmarkt benötigt wird. Bedingt durch das trockene Frühjahr und den sehr heißen Sommer kam es speziell in Bulgarien zu massiven Ertrags- und Qualitätseinbußen. Der Preis für Rohware stieg dort um nahezu 300% gegenüber dem Vorjahr. Nachdem anfangs sehr viel Rohware von Händlern spekulativ zurück gehalten wurde, ist diese aktuell wieder verfügbar. Da sich die 100%ige Preiserhöhung des Öls im Handel aber nicht durchsetzen konnte und es in Folge zu einem Nachfrageeinbruch von knapp 30% kam, wurde die spekulative Situation schnell wieder entschärft. Derzeit werden Kontrakte aus Osteuropa schleppend erfüllt. Das Eintreffen dieser günstigen Positionen ist mitunter dafür verantwortlich, dass das Preisniveau, analog der Marktlage, sich noch auf moderatem Niveau bewegt.tl_files/f2m-media/images/backwelt-thema/sonnenblumenkerne_china.jpg

Ausblick:
Aufgrund der schleppenden Belieferung aus Osteuropa, dem hohen Preisniveau der US-Ware und der oben genannten Situation in China ist kurzfristig mit keiner Entspannung am Markt zu rechnen. Es wird erwartet, dass sich die Situation speziell im Januar / Februar noch weiter verschärft, wenn durch das chinesische Neujahrsfest der dortige Export praktisch zum Erliegen kommt. Bis dahin wird auch das radikale Aufkaufverhalten der chinesischen Ölmühlen vermutlich anhalten und den Rohwarenpreis weiter in die Höhe treiben.
Die Lager in Europa sind leer, der Handel lebt von Käufen im Spotmarkt, daher wird mit Spannung erwartet, ob die klaffende Angebotslücke kompensiert werden kann. Kurzfristig ist durchaus mit Preisen von über 1,20 EUR/kg (LKW frei Haus) zu rechnen. Als frühester Zeitpunkt für eine Entspannung wird der März 2008 prognostiziert, wobei ein Preisniveau wie in den letzten 2 Jahren auch zu diesem Zeitpunkt ausgeschlossen werden kann.
Analog zum Bakery Grade hat sich auch der Preis für Confection Grade verteuert, wobei beide Preise mittlerweile nahe zusammen liegen. Es wird also weiterhin sehr spannend bleiben und der Spannungsfaktor schlechthin dürfte, wie es in Verkäufermärkten üblich ist, die Verfügbarkeit von Ware sein.