Passion for Pastry - Wir verkaufen Nutzen
Spezialisiert auf den Kernbereich der süßen Backwaren und der Eisgrundstoffe arbeitet Unifine mit Erfolg an der Kombination aus fachlicher Exzellenz, rationeller Umsetzbarkeit und einer fundierten Marktnähe.
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| Eva Maria Hauenstein |
Erik van den Einden
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b+b: Frau Hauenstein, Herr van den Einden, vor zehn Jahren wurde Unifine aus der Firmengruppe Döhler herausgelöst und zur eigenständigen Gesellschaft unter dem Dach der Unternehmensgruppe Royal Cosun. Wie würden Sie die vergangenen zehn Jahre im Rückblick bewerten?
Hauenstein: Das, was damals selbständig wurde, war die Keimzelle von Unifine, die in den Niederlanden, UK und in Deutschland präsent war. Wir haben um unsere Vorstellungen von einem zukunftsorientierten Food Ingredients Unternehmen kämpfen müssen und Royal Cosun hat uns sehr viele Freiheiten gelassen. Inzwischen sind wir sehr viel größer und stolz darauf, dass die Entwicklung so gut gelaufen ist. Wir haben seither verschiedene Unternehmen, die zu uns passten, in die Unifine Gruppe integriert, beispielsweise Fruibel und Caullet. Und wir wachsen weiter.
b+b:Unifine gilt als der Spezialist für feine Backwaren, Patisserie und Eis. Soll und kann das so bleiben oder denken Sie darüber nach, wie manche Ihrer Wettbewerber beispielsweise selber als Produzent in den Markt für tiefgekühlte Backwaren einzusteigen?
Hauenstein: Auf der iba 2000 wehten auf unserem Stand vier Fahnen, die unser Geschäftsmodell umschreiben: Fine Bakery, Food Service, Ice cream und Industry. Das sind unsere Sparten, in denen wir kompetent sind und unsere Kompetenz weiter entwickeln. Unsere Wachstumsstrategie heißt der Reihenfolge nach 1. eigenes Wachstum, 2. Innovationen, 3. Allianzen und 4. Akquisitionen. Wir wollen nicht zum Konkurrenten unserer Kunden werden.
b+b: Innovation ist ein vielstrapaziertes Schlagwort. Wie definieren Sie diesen Begriff?
Hauenstein: Wir sind meiner Überzeugung nach die Besten in Fonds und Cremes. Beide Produktgruppen sind ein Beispiel dafür, wie wir unsere Kompetenz in Nutzen für den Kunden verwandeln. Wir haben in der Vergangenheit Produkte in Kooperation von Entwicklern, Anwendern und Maschinenbauern entwickelt und unseren Kunden grundlegende Verbesserungen in den Produktionsabläufen gebracht. Diese Art von Nutzen ist es, wonach wir suchen. Dabei erleiden wir hin und wieder auch Niederlagen, aber selbst dann vermehren wir unser Know-How auf einem Gebiet, das irgendwann vielleicht wieder interessant wird.
b+b: Unifine hat bekannte Produkte, die schon sehr lange am Markt akzeptiert sind und Verwendung finden. Glauben Sie, dass künftige Entwicklungen eine ebenso lange Lebensdauer am Markt beschert sein wird?
Hauenstein: Das ist schwer vorhersagbar. Aber warten Sie es ab, wir haben ähnlich bahnbrechende Entwicklungen in der Pipeline und eine dieser Innovationen wird voraussichtlich noch in diesem Jahr auf den Markt kommen.
b+b: Unifine hat eine sehr flache Organisationsstruktur. Die europäische Geschäftsführung besteht aus dem Managing Director Sijtze Brandsma, dem Finanzdirektor Joost Vermeulen, Ihnen und Enric Virgili. Virgili und Sie sind gleichzeitig verantwortlich für Märkte, Virgili für die iberische Halbinsel, Sie für Nordwesteuropa und Zentraleuropa bis inklusive Russland. Sie sind gleichzeitig für Marketing und Sales zuständig, Virgili für Forschung, Entwicklung und Innovation. Wo liegt der Vorteil dieser Struktur?
Hauenstein: Die Entscheidungswege sind sehr kurz und mindestens die Hälfte des Boards hat direkten Kontakt zu den Märkten. Das macht uns sehr flexibel und gleichzeitig sind wir sehr nah an den Leuten dran, die konkret vor Ort arbeiten. Mein Kollege Virgili beispielsweise hat ein Team aus den verschiedenen Ländern aufgebaut, das sich „Innovation Clinic“ nennt und sich mit innovativen Produktentwicklung beschäftigt und damit, welche Produkte wie von einem Land in ein anderes transferiert werden kann. Das Spektrum reicht von der „spinnerten“ Idee bis zu konkreten Synergieeffekten. Ein Beispiel dafür, was dabei herauskommen kann ist das Erfolgsprodukt Mix Macaron, das in Zusammenarbeit mit französischen Patissiers entwickelt, und dann an die Abläufe in rationell arbeitenden Unternehmen angepasst wurde. Es geht nicht nur um einfaches Cross-Selling.
b+b: Wenn die Kreativen aller Länder zusammensitzen, kommen sicher eine Menge Ideen heraus, aber wie markttauglich ist das?
Hauenstein: Es gibt natürlich einen regen Austausch zwischen dieser Gruppe von Virgili und uns, den Leuten aus Marketing und Sales. Gemeinsam sind wir so etwas wie die Trüffelschweine, die aus der Menge jene Ideen identifizieren, die dem Markt jene grundlegenden Innovationen bieten, von denen ich anfangs sprach. Diese Art, sich spitzer und genauer auf die Bedürfnisse unseres Marktes zu fokussieren, statt immer wieder neue Produktfelder zu eröffnen, ist übrigens ein Teil unserer Wachstumsstrategie.
b+b: Setzen Sie die Ideen dieser Teams immer auf der ganzen Marktbreite ein oder entwickeln Sie solche Ideen auch für einzelne Kunden bzw. Kundengruppen?
Hauenstein: Das geht bis hin zur Exklusivität.
b+b: Kommen wir noch mal zur Organisationsstruktur zurück. Gilt diese länderübergreifende Zusammenarbeit nur für das Board und die Entwicklungsabteilung oder auch in anderen Bereichen?
Van den Einden: Diese Art von Plattformorganisation gibt es auch in anderen Bereichen: Einkauf, Personalverwaltung und Personalentwicklung, Lebensmittelrecht, Marketing und Verkauf und schließlich für den Bereich, den man mit Supply Chain umschreibt, den gesamten Bereich von der Produktion über Lagerung bis zur Logistik (International Purchasing, Human Resources, Food Law, Marketing & Sales und Supply Chain).
b+b: Gehört in diese Plattformstruktur auch die neue Europastrategie, nach der Sie künftig für alle Länder zuständig sein werden, in denen es keine eigenen Tochtergesellschaften gibt? Was ist der Hintergrund?
Van den Einden: Bislang war ein Teil der Exporte in europäische Länder ohne eigene Niederlassungen in Belgien, ein Teil hier angesiedelt. Das liegt künftig in einer Hand. Der zweite Punkt ist, dass wir die Märkte in diesen Ländern gezielt entwickeln wollen. Unser Produktportfolio umfasst Pulver- und Nassprodukte, Aromen und Fruchtspezialitäten. In manchen Ländern sind wir nur mit einem kleinen Sortiment vertreten. Wir wollen die Chancen ausloten und entsprechende Strategien entwickeln.

b+b: Geht das bis zum Aufbau von Produktionen?
Van den Einden: Wir haben gerade in Rumänien ein neues Werk zur Herstellung von Pulverprodukten in Betrieb genommen. Wir versprechen uns vom Markt in Südosteuropa sehr viel und vor diesem Hintergrund ist diese Entscheidung gefallen. Genauso gut gehört unser neues europaweites Logistikkonzept dazu. Damit haben wir einen großen Schritt in der Optimierung unserer Supply Chain gemacht, von der die Kunden profitieren. Die Verfügbarkeit ist größer, der Lieferprozeß ist effizienter und wir haben es mit einem spezialisierten Food-Logistiker zu tun.
b+b: Sie sind seit vielen Jahren auf dem russischen Markt aktiv. Wie sieht es dort aus? Könnten Sie sich vorstellen, auch dort zu produzieren?
Hauenstein: Russland ist ein Markt, der uns sehr viel Freude macht. Wir hatten im vergangenen Jahr einen Führungswechsel und unser neuer Mann, Boris Notarius hat sowohl die Struktur als auch das Ergebnis verbessern können. Der russische Markt hat unter der Finanzkrise gelitten, aber jetzt sind Wachstumstendenzen zu erkennen, nicht nur im Frisch- und TK-Markt, sondern auch im Keks- und Kuchenmarkt.
b+b: Kekse? Das war, wenn man mal von den American Cookies absieht in den vergangenen Jahren nicht gerade ein aufregender Markt oder?
Hauenstein: Nun, seit amerikanische Kaffeehausketten die Cookies auf ein neues und höheres Niveau gehoben haben ist der Keksmarkt deutlich lebendiger geworden, in Russland übrigens genau so wie in Deutschland. Durch diese Entwicklungen sehen wir, dass auch artverwandte Unternehmen in den Markt ‚Kekse’ mit Innovationen aufwarten. So beispielsweise Hersteller von bekannten Schokoladen, die Kekse in Verbindung mit Schokolade auf den Markt bringen.
b+b: Apropos Deutschland, das Auftauchen von Backstationen auch bei den Discountern hat für Aufregung im deutschen Bäckerhandwerk gesorgt. Dieses Handwerk ist ein nicht unwesentlicher Kunde für Unifine. Sehen Sie eine Bedrohungslage?
Hauenstein: Nein, das Handwerk hat Chancen, gerade auch im süßen Bereich vom Feingebäck über Sahnegebäcke bis hin zum Eis. Natürlich muss sich das Handwerk dabei vom industriellen Angebot unterscheiden und neue Ideen aufgreifen. Nehmen Sie beispielsweise die bunte Welt der Cupcakes – das können Sie mit der Vielfalt und Originalität in der Dekoration nicht einfach oder ohne zusätzliche Investitionen industriell umsetzen. Oder nehmen Sie unsere neue Idee, die Whoopies, bunte Sandwichkekse mit verschiedenen Cremefüllungen, oder nehmen Sie die Macarons, die weltweit gerade einen echten Hype erleben und so viele Möglichkeiten bieten, Phantasie und handwerkliche Qualität zu kombinieren. Auch das sind übrigens Beispiele dafür, dass wir nicht nur Produkte bieten, sondern Ideen, Konzepte und Anregungen für die Produktionsabläufe.
b+b: Honorieren die Kunden das?
Hauenstein: Die Resonanz, die ich von unseren Kunden bekomme und die Zahlen, die wir schreiben, bestätigt unseren Kurs. Wir genießen das Vertrauen von Cosun und werden weiter wachsen. Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg.