Der Frauenladen

Den Namen Ölz verbindet man üblicherweise mit industriell hergestellten Hefezöpfen, Toastbrot und Kuchen. In Wien entstand jetzt ein Bäckerei-Café, das ausdrücklich mit handwerkliche Traditionen wirbt.

Der Wiener 3. Bezirk (Landstraße) ist ein Wohngegend für den bürgerlichen Mittelstand und auch Arbeitsnomaden aus den Führungsetagen, die es in die österreichische Hauptstadt verschlägt, nehmen dort gerne Obdach. Mittendrin an der Ecke Landstraße Hauptstraße/Seidlgasse öffnete Bernhard Ölz, Inhaber der gleichnamigen Großbäckerei aus Dornbirn in Vorarlberg in dritter Generation, zusammen mit zwei Partnern im vergangenen Herbst ein Bäckerei-Café, dass sich schon im Namen auf seinen Großvater und dessen handwerkliche Traditionen bezieht. „Rudolf Ölz Backen wie Früher“ steht über der Tür und hier wird nicht nur gebacken, sondern fast alles komplett produziert. Selbst der Zopf, für den die Fabrik im Vorarlberg so berühmt ist, wird hier selbst gemacht und damit er sich auch schon äußerlich unterscheidet ist es hier ein viersträngiger, der pro Stück für 3,90 EUR über die Theke geht.
Zwei gelernte Bäcker wechseln sich darin ab, Regal und Theke zu füllen. Der Laden öffnet werktags von 7 bis 18 Uhr, samstags von 7:30 bis 15 Uhr. Zwei Köche wechseln sich ab, die Gerichte von der kleinen Mittagskarte zu zubereiten, eine Verkaufskraft besorgt den Außer-Haus-Verkauf. Für den Service an den 40 Innen- und 40 Außen-Sitzplätzen stehen je nach Tageszeit zwei bis vier Bedienungskräfte bereit. Damit dürfte der Personalkostenblock neben der Verzinsung der nicht unerheblichen Investitionskosten den größten Posten in der Kalkulation darstellen.
Derzeit, so Geschäftsführer und Mitinhaber Gernot Rericha, teile sich der Umsatz 50:50 in Verzehr und Verkauf. Das einkommensstarke Quartier beschert „Rudolf Ölz Backen wie Früher“ einen Frauenanteil an der Kundschaft von rund 75 %. Frau trifft sich mit der Freundin zum Frühstück, das sich seit der Öffnung im vergangenen Herbst als Hauptgeschäft herausgestellt hat. Die Karte reicht vom kleinen Frühstück für 4,90 EUR, was für Wiener Bäckereien eher überdurchschnittlich ist bis zum Superluxusfrühstück für mehr als 15 EUR. Es gibt frisches Kleingebäck und Biotees und nebenbei kann man dem Bäcker/Konditor durch die Glasscheibe bei der Arbeit zusehen, was auch die lieben Kleinen fasziniert.

Und hier ist immer was los. In der kleinen Bäckerei, dessen gesamte maschinelle Ausrüstung aus einem kleinen Kneter und einem Etageofen besteht, entsteht nahezu das gesamte Brot- und Kleingebäcksortiment vom kräftigen Sauerteigbrot über zahlreiche mediterrane Spezialitäten bis hin zu den Salzstangerl, Körnerbrötchen und natürlich der von Hand eingeschlagenen Weizensemmel, die, auch wenn sie nicht so gleichmäßig geformt sind wie maschinelle Kaisersemmel, die Erinnerung daran wecken, wie gut frische Brötchen schmecken können. Die Sauerteige für die Brote reifen einfach und für jedermann einsehbar in Plastikwannen auf der Fensterbank. Ab mittags lädt ein Tagesmenu für 7,50 EUR aus regionalen Zutaten auch jene ein, die den schnellen, aber gesunden Businesslunch bevorzugen und am Nachmittag locken die am frühen Vormittag hinter der Glasscheibe hergestellten Kuchen und Stückchen.
Das bislang eher als Hobby von Bernhard Ölz geltende Experiment an der Landstraße Hauptstraße befindet sich noch in der Experimentierphase, aber, so Rericha, der Umsatz trage bereits die Betriebskosten. Eine Vervielfältigung des Konzeptes kann er sich mittelfristig durchaus vorstellen. Konkurrenz im Umfeld gibt es für das Bäckerei-Café eher wenig, wohl aber für den Außer-Haus-Verkauf. Eine Filiale der Bäckerei Felber ist schräg über die Straße zu sehen.