Ja, ich will
Alle Managementansätze, ob Supply Chain
Management (SCM), Customer Relationship Management (CRM) oder Efficient
Consumer Response (ECR), fordern einen stärkeren Einbezug der Kunden in
das unternehmerische Handeln. Dabei gilt die Ausrichtung der
Kundenorientierung für vorhandene wie auch für potenzielle Kunden. In
der Managementliteratur finden sich genug Argumente, warum die
Kundenzufriedenheit ausschlaggebend für den unternehmerischen Erfolg
ist. So wird z.B. ein zufriedener Kunde positiv über die erfahrenen
Leistungen berichten. Umgekehrt jedoch wird ein unzufriedener Kunde
andere Menschen über seine negative Erfahrungen informieren. Natürlich
steigen die Vertriebschancen bei zufriedenen Kunden für Wiederverkäufe.
Bei unzufriedenen Kunden ist es für den Vertrieb wesentlich
schwieriger, den Kunden zu einem erneuten Kauf anzuregen. Zudem haben
positive Erfahrungen mit einem Unternehmen einen direkten Einfluss auf
die Preiselastizität der Nachfrage. Ein zufriedener Kunde ist oftmals
weniger preissensibel. Dagegen ist bei einem unzufriedenen Kunden die
Bereitschaft zu Preisverhandlungen deutlich höher.
Zusammenfassend kann gesagt werden:
- Kunden beeinflussen die externe Kommunikation über das Unternehmen.
- Zufriedene Kunden erhöhen die unternehmensinternen Vertriebsressourcen.
- Zufriedene Kunden leisten einen Beitrag zur Gewinnmaximierung.
Innerhalb der Unternehmensführung folgt daraus, dass jede Entscheidung unter dem Gesichtspunkt einer möglichen Auswirkung auf die Kundenzufriedenheit getroffen werden muss.
Besonders bei einer steigenden Anzahl der Kunden kann dieser seinen Einfluss auf das unternehmerische Handeln verlieren. Der Kunde wird zu einem notwendigen Übel und ist kein Motor für den unternehmerischen Erfolg mehr. Damit der Kunde wieder in den Mittelpunkt rückt und dessen Anregungen aufgenommen und umgesetzt werden, ist es bei der Reorganisation der Unternehmenskultur mit dem Ziel der erhöhten Kundenzufriedenheit notwendig. Dabei sollte sich das Unternehmen an den Wurzeln des Begriffs „Kundenbeziehung“ orientieren. „Beziehung“ wird als die wechselseitige Einwirkung und Verhaltensform zwischen zwei oder mehreren Menschen bezeichnet. Eine Verbindung zwischen Unternehmen und Kunden wird nicht nur von einem Einflussfaktor bestimmt, sondern durch eine Vielzahl von Auslösern, die in ihrem gegenseitigen Zusammenspiel ein bestimmtes Ergebnis hervorbringen. Eine aktivitätenorientierte Betrachtung der gesamten Unternehmenswertschöpfungskette entlang des Kundenlebenszyklusses lässt erkennen, dass ein monokausaler Zusammenhang zwischen bereitgestelltem Produkt und Kundenzufriedenheit als Erklärungsansatz und damit auch als Ansatz für eine Reorganisation unzureichend ist. Vielmehr gilt es, die Aktivitäten, die direkten Einfluss auf die Kundenzufriedenheit nehmen können zu identifizieren und gezielt auf Verbesserungspotenziale zu analysieren. Eine methodische Herangehensweise an die strukturierte Verbesserung der Kundenorientierung sieht eine differenzierte Betrachtung der Unternehmensgesamtleistung vor. Zum einen gilt es, das Produkt an den Kundenwünschen auszurichten. Zum anderen müssen die dienstleistungsorientierten Merkmale kontinuierlich verbessert und insbesondere bei homogenen Gütern die intangiblen Produktmerkmale zur Wettbewerbsdifferenzierung genutzt werden. Innerhalb dieser Trennung liegt der erste Ansatzpunkt für eine Erfolg versprechende Reorganisation der Unternehmenskultur.
Der zweite entscheidende Paradigmenwechsel
wird beim Studium des Begriffs „Kundenzufriedenheit“ deutlich.
Kundenzufriedenheit ist definiert als die Übereinstimmung von
erwarteter und wahrgenommener Leistung. Innerhalb dieses Ansatzes wird
die Individualität des Kunden ganz klar. So bestimmen nicht nur
individuell unterschiedliche Erwartungen, sondern auch unterschiedliche
Wahrnehmungen die endgültige Kundenzufriedenheit. Im Umkehrschluss
stehen folglich zwei Fragen im Vordergrund:
- Welche Erwartungen hat jeder Kunde und wodurch wurden diese geweckt?
- Wie kann aktiv die individuelle Wahrnehmung objektiviert werden?
Wie
bereits erläutert, ist die Gesamtleistung eines Unternehmens
aufzuteilen in eine produkt- und eine dienstleistungsbezogene
Sichtweise. Die Summe aller in der jeweiligen Gruppen identifizierten
Aktivitäten/Eigenschaften/Merkmale bestimmt die Erwartungen und die
Wahrnehmung des Kunden. Jedem Produkt und jeder Dienstleistung müssen
Merkmale zugeordnet werden, um zu wissen, welche einzelnen Merkmale für
den Kunden kaufentscheidend sind. Denn Qualität ist nichts weiter als
die Gesamtheit von Merkmalen, die bezüglich ihrer Eignung festgelegte
und vorausgesetzte Erfordernisse erfüllen. Ein Merkmal kann hierbei
inhärent oder zugeordnet und qualitativer oder quantitativer Natur
sein. Innerhalb dieser Unterscheidung dient eine Untergliederung nach
physischen, sensorischen, verhaltensbezogenen, zeitbezogenen,
ergonomischen und funktionalen Eigenschaften einer strukturierteren
Erfassung aller Merkmale. Damit die Individualität der Kunden in der
Erfassung Berücksichtigung findet, kann der Selektionsprozess des
Kunden bei der Prüfung der Merkmale hierarchisch dargestellt werden.
Zum einen ist das Vorhandensein eines Merkmals subjektiv, es sei denn,
das Merkmal ist inhärent, d.h. dem Produkt innewohnend. An einem
praktischen Beispiel bedeutet dies, dass der Kunde bei der Nachfrage
z.B. nach einem ERP-Produkt (Enterprise-Resource-Planning, siehe auch
brot + backwaren 03/2006, S. 50 und 51), darauf achtet, dass eine
integrierte BI-Lösung (Business Intelligence) vorhanden sein muss.
Innerhalb des BI-Produkts können dann weitere Merkmale definiert
werden. Dabei gilt es, die Reihenfolge nach Bedeutsamkeit für den
Kunden zu definieren und danach innerhalb dieser Priorisierung
Merkmalswerte, wie z.B. das Volumen an aufzubereitenden Datenmengen zu
bestimmen. Mit dem Wissen um die Merkmalsstruktur der Kunden ist es dem
Vertrieb möglich, die Erwartungen an ein Produkt kundenfocussiert zu
kommunizieren und damit bereits innerhalb der Anbahnungsphase aktiv auf
die spätere Kundenzufriedenheit hinzuarbeiten.
Neuausrichtung
Die
in dieser Ausarbeitung beschriebenen grundsätzlichen Ansatzpunkte
müssen bei der Neuausrichtung eines Unternehmens mit dem Ziel der
erhöhten Kundenzufriedenheit vollständig beachtet werden. In einem
ersten Schritt ist folglich die Wertschätzung des Kunden
bereichsübergreifend zu kommunizieren. In einem zweiten Schritt ist das
Verständnis für den Begriff Kundenzufriedenheit und dessen
individuellen Charakter zu sehen. In einem dritten Schritt sind die
produktbezogenen und dienstleistungsbezogenen Merkmale zu
identifizieren und als methodisches Leitbild für den Vertriebsprozess
heranzuziehen.