Der Kunde im Aufsichtsrat
Wenn der Theorie kein Erfolg in der Praxis beschieden ist, liegt das
manchmal daran, dass zu hohe Erwartungen geweckt wurden. Supply Chain
Management, Customer Relation Management und Efficient Consumer
Response sind Begriffe, die genau darunter leiden. Denn häufig werden
sie in der Praxis nur ansatz- oder teilweise umgesetzt.
Als Wertschöpfungskette bezeichnet man die ganze Reihe der Menschen und
Unternehmen, die etwas mit der Entstehung, Vermarktung und Verteilung
eines Produktes zu tun haben, bis es schließlich beim Endkunden
angekommen ist. Im Englischen nennt man diese Kette Supply Chain und
ein Supply Chain Management beschreibt demzufolge nichts anderes als
das Denken in informatorischen und organisatorischen Zusammenhang von
Lieferanten und Kunden mitdem eigenen Unternehmen, wobei üblicherweise
auch das eigene Unternehmen nicht als eine Einheit betrachtet, sondern
differenziert nach Abteilungen oder Bereichen einbezogen wird.
Der
unternehmens- und abteilungs- bzw. bereichsübergreifende Austausch von
Daten soll helfen, die isolierte Betrachtungsweise gegen eine
übergreifende auszutauschen und so den Stellenwert jedes Elementes der
Wertschöpfungskette zu verdeutlichen. Der Austausch der Daten wie
beispielsweise Produktionmenge, -beginn, Lager- und Logistikdaten
erfolgt dabei in beide Richtungen
Voraussetzung für die Einführung eines Supply Chain Managements sind
- eine
bereichsübergreifende einheitliche interne Informationsstruktur wie
beispielsweise ein Enterprise Resource Planning (ERP) –System.
- Einen unternehmensübergreifenden bidirektionalen Datenaustausch (EDI)
Praxisberichte
beschreiben SCM in der Regel als den Einbezug der Lieferanten zu einer
organisatorischen und informatorischen Einheit mit dem eigenen
Unternehmen. Das resultiert aus der einfachen Zugänglichkeit durch
aktive Einflussnahme auf die Lieferanten und aus der überschaubaren
Informationsmenge, die dabei entsteht. Seit rund drei Jahren geistert
der Begriff eSCM durch die Literatur. Das beschreibt allerdings nichts
anderes als SCM, betont lediglich die Tatsache, dass moderne
Informations- und Kommunikationstechnologien genutzt werden,
insbesonder das Internet als Plattform und Kommunikationskanal.
CRM = Customer Relationship Management
Wörtlich
übersetzt bedeutet CRM “Kundenbeziehungs-Management”, nicht unbedingt
eine Errungenschaft modernen Managements . Seit Beginn des
Wirtschaftens ist die aktive Stimulation der Nachfrage und deren
Aufrechterhaltung „die Luft“, die ein Unternehmen zum Überleben
benötigt. Die Zufriedenheit des Kunden, definiert als der Grad der
Übereinstimmung zwischen erwarteter und wahrgenommener Leistung und die
Einschätzung der Qualität von Produkt, Beziehung und Unternehmen aber
sind Informationen, die sich nicht ohne weiteres erschließen, sondern
eine kontinuierliche Kommunikation mit dem Kunden erfordern. Wichtig
ist neben dem Abfragen der aktuellen Information auch die Überprüfung
der Zufriedenheit über den gesamten Zyklus der Kundenbeziehung bzw.
gewünschten Kundenbeziehung.
CRM hat zum Ziel,
dauerhafte und profitable Kundenbeziehungen über geeignete Instrumente
aufzubauen, zu festigen und auszubauen. So wie auch bei SCM werden dazu
moderne Informations- und Kommunikations-Technologien benötigt, um dem
Informationsaufkommen mit der geforderten Geschwindigkeit und Kapazität
gerecht zu werden.
Ausgerichtet am Begriff Management können vier Hauptfelder in CRM unterschieden werden:
| strategisch |
( Ziele definieren ) |
| operativ |
( strukturierte Kommunikation mit dem Kunden) |
| kommunikativ |
(Integration aller Kommunikationskanäle) |
| analytisch |
(Kontrolle) |
Für
die Erfüllung dieser vier Aufgabenfelder ist der Einsatz von geeigneter
Software, die alle vier Bereiche integriert abdeckt, notwendig, aber es
beschränkt sich nicht darauf. Geeigneten Methoden zur Messung der
Kundenzufriedenheit werden dabei mit Methoden aus dem
Qualitätsmanagement und der Produktentwicklung verbunden.
Die
Ziele werden in den meisten Unternehmen abgeleitet aus einer
Kundenbefragung, die die Datenbasis für die Zieldefinition bildet.
Operativ wird der Dialog mit dem Kunden zielorientiert gesteuert. Den
Mitarbeitern werden sowohl für Telefonate, eMails, Briefe, Faxe wie
auch den persönlichen Kontakt Verhaltensregeln mit dem Ziel der
nachhaltigen Erhöhung der Kundenzufriedenheit auferlegt.
Damit
bei der operativen Kommunikation mit dem Kunden der erhöhte
Informationsbedarf der Mitarbeiter in kürzester Zeit gedeckt werden
kann, ist die Integration aller Kommunikationskanäle zu einer
gemeinschaftlichen Datenbasis notwendig.

Kommunikationskanäle
Im
analytischen Bereich werden die in der Kundenkommunikation gesammelten
Massendaten in geeigneter Form dargestellt. Mit Hilfe der gesetzten
Kennzahlen werden notwendige Änderungen im operativen Geschäft bestimmt.
In
der Praxis wird CRM leider zumeist reduziert auf das Vorblenden von
Kundendaten während des Kundenkontaktes über das Telefon. Häufig sind
dies Insellösungen, die losgelöst vom eingesetzten ERP-System die
Kundendaten redundant verwalten. Dies widerspricht jedoch dem
ganzheitlichen Ansatz von CRM, der vorsieht, alle im Kundenkontakt
gesammelten Informationen für die Optimierung der gesamten
Wertschöpfungskette zu nutzen.