Interview Alexander Heinrich Leiter des Food-Frischebereichs Backwaren

Der russische Backwarenmarkt

Alexander Heinrich, Leiter des Food - Frischebereichs Backwaren für Deutschland, Russland und Tschechien bei der Globus Holding GmbH & Co KG, erklärt im Interview mit brot + backwaren mehr über den russischen Backwarenmarkt.

 

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Alexander Heinrich

brot + backwaren: Herr Heinrich, Globus betreibt fünf so genannte Hypermärkte im Umkreis von 250 km um Moskau. Die Standorte sind Vororte und mittelgroße Städte. Welche Idee steckt dahinter, gerade nicht in die Hauptstadt oder nach St. Petersburg zu gehen?

Heinrich: Diese Vororte sind mit bis zu 200.000 Einwohnern absolut attraktiv für uns. Es ist nicht wichtig, ob der Kunde in einer Hauptstadt lebt oder in einem Vorort.

brot + backwaren: Die Krise hinterlässt auf dem russischen Markt Spuren – wie sehen Ihre Expansionspläne für die nächsten fünf Jahre aus?

Heinrich: Diese Frage kann Ihnen angesichts der Wirtschaftskrise zurzeit kein Unternehmen beantworten.

brot+backwaren: Was unterscheidet den russischen Backwarenmarkt grundsätzlich vom deutschen?

Heinrich: In Deutschland haben wir eine alte handwerkliche Backkultur die das Land mit frischen und abwechselnden Backwaren versorgt. In Russland gibt es eine solche handwerkliche Backkultur nicht und wir kommen mit unseren deutschen Backwaren sehr gut beim Kunden an. Hier gibt es noch Nachholbedarf beim Kunden.

brot+backwaren: Welchen Stellenwert haben Backwaren im Sortiment Ihrer russischer Märkte und wie differenziert sich das nach Regal und Instore-Bakery?

Heinrich: Die Bäckereiproduktion vor Ort hat einen sehr hohen Stellenwert und wird von Globus auch als Kundenmagnet für den Markt gesehen. Wir sind in der Lage eine Frische zu liefern, die ein Industrielieferant bei weitem nicht erreichen kann. Wir sprechen hier von einem Lebensmittel des täglichen Bedarfs bei dem die Frische und der Preis eine große Rolle bei der Kaufentscheidung des Kunden spielt. Der Kunde entscheidet, ob er Regalware oder Eigenproduktion möchte. Die Frische und der Preis sprechen für uns, was uns die Abverkaufszahlen auch belegen.

brot+backwaren: Sie haben seit Jahrzehnten Erfahrungen mit westeuropäischen Backwarenlieferanten sowohl im Frischeregal wie bei Waren mit längerer Haltbarkeit. Wie beurteilen Sie Angebot, Qualität und Service russischer Backwaren-Lieferanten?

Heinrich: Das Angebot und die Qualität im Backwarensektor ist noch sehr verhalten, steigt aber von Jahr zu Jahr an. Der Bereich halbgebackener Backwaren steckt noch in den Kinderschuhen und ist z.Zt. noch sehr teuer, bezogen auf die erreichbaren Verkaufspreise. Der Bereich wird sich aber in den nächsten Jahren rasant entwickeln, da die Nachfrage sehr hoch ist. Wenn wir den Bereich Torten und Feinbackwaren betrachten, sind die russischen Lieferanten den deutschen weit voraus. Lieferung an sieben Tage die Woche mit sehr hoher Qualität. Außerdem stellen die Lieferanten Promotionpersonal, das den Kunden am Regal berät.

brot+backwaren:
Im Gegensatz zu alle westeuropäischen Handelsoutlets sind die Preise für im Laden gebackene Ware in Russland niedriger als für Regalware, die doch wesentlich älter ist. Was ist der Grund?

Heinrich:
In Deutschland haben wir in elf Häusern eine eigne Bäckereiproduktion eingerichtet, die erste 2005, in Tschechien drei. Mit den russischen Märkten sind das dann 19 Bäckereien. In allen drei Ländern schätzen die Kunden die Frische und die Qualität unserer Backwaren. In allen 19 Standorten versuchen wir die Vorteile der Vorort-Produktion an den Kunden weiter zu geben. Wir haben keinen teuren Transport und verzichten auf die zeitintensive Bedienung. Diese Vorgehensweise ermöglicht es uns, bei vielen Artikeln attraktive Preise zu machen.

brot+backwaren: Heute liegt der Schwerpunkt der Instore-Bäckereien in russischen Globus-Märkten auf Brot. Können Sie sich vorstellen, das auf die ja ebenfalls sehr beliebten Sortimente der Konditoreiwaren auszudehnen?

Heinrich: Wir haben es in den deutschen Betrieben geschafft, die Konditoreiproduktion für den Kunden transparent zu gestalten und mit der rationellen Herstellung vor Ort können wir auch interessante VK Preise für den Kunden anbieten. Ziel war es, mit der Backwarenproduktion in Russland Fuß zu fassen und wenn wir diese im Griff haben, die Konditoreiproduktion im nächsten Schritt zu integrieren. Mit Herrn Ihle habe ich für den russischen Markt eine topqualifizierte Führungskraft gewinnen können, was uns dem Ziel der Konditoreiproduktion einen weiteren Schritt voran gebracht hat.

brot+backwaren: Vielen Dank für das Interview.

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