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Organisieren und steuern

    brot + backwaren 3/2008

    Das 13. VDB-Forum Nord stand unter dem Motto Betriebsführung und Organisation. Besonders Geschäftsführer und Betriebsleiter erfuhren mehr über die Herausforderungen der Backbranche und die Bewältigung von Krisen.

     

    Mitte Juni trafen sich die Gäste und Mitglieder der VDB-Landegruppen Berlin/Brandenburg, Sachsen/Thüringen, Niedersachsen/Bremen und Mecklenburg-Vorpommern zum 13. VDB-Forum Nord im Institut für Getreideverarbeitung in Nuthetal. Der Infotag Backwaren beschäftigte sich mit dem Thema Betriebsführung und Organisation. Professor Walter Freund, Institut für Lebensmittelwissenschaften, Universität Hannover, eröffnetet die Tagung und übernahm die Diskussionsleitung.
    Zunächst sprach der Geschäftsführer der VDB, Rechtsanwalt Helmut Martell, über die Herausforderungen im Backgewerbe. Martell zeigte auf, wo die Probleme der Branche liegen. Der Referent bezeichnete Mehl-Missionare und Erfahrungs-Fetischisten als die größten Feinde der Branche. So stehe bei den Missionaren die Produktion im Zentrum und der Absatz folge von ganz allein. Bei den Erfahrungs-Fetischisten gebe es „nichts Neues unter der Sonne“. Martell sieht die Sicherung der Rohstoffe als die größte Herausforderung für ein erfolgreiches Unternehmen. So seien Bäckereigrundstoffe wie Getreide durch die Nachfrage in Schwellenländern und die Zunahme der Weltbevölkerung bzw. die wachsende Nachfrage nach Biokraftstoffen extrem begehrt. Insgesamt wird sich nach Meinung des Referenten die Backbranche weiter konzentrieren. Immer weniger große Produzenten verschärften den Preiswettbewerb. Die Internationalisierung führe zudem zu mehr Wettbewerb besonders in Osteuropa und Russland. Hersteller könnten sich spezialisieren und Nischen suchen. Eine weitere Herausforderung sei der demographische Wandel. Das Altern der Bevölkerung bewirke eine Neugewichtung der Kunden.
    „Kosteneinsparungen durch integrierte Logistik von der Beschaffung bis zur Filiale“ lautete das Thema von Dipl.-Ing. Sven Schiller, CSB-System AG, Geilenkirchen. Schiller erklärte, was eine integrierte Logistik ist. Sie solle Menschen, Maschinen und Material zusammenführen und die interne und externe Logistik verbinden. Ziel sei die Steigung der Produktivität im Unternehmen. Durch die Automatisierung ließen sich die Geschäftsprozesse Beschaffung, Lager, Produktion, Absatz und Qualitätsmanagement optimieren. So könne z.B. schon die Installation einer Waage Fehleingaben eleminieren. Der Einsatz von Scannern sichere die schnelle Identifikation von Produkten und helfe bei der Rückverfolgung, so der Referent. Zudem lasse sich durch eine Staplersteuerung im Lager die Produktivität erhöhen. „Wenn die Logistik optimiert ist, dann optimieren Sie ihr gesamtes Unternehmen“, so Schiller.
    Karl-Heinz Faulhaber, Leiter des Geschäftsbereichs Kassensysteme bei der Samuelson Unternehmensberatung und Software-Entwicklung GmbH, Berlin, referierte über Ertragssteigerung durch Prozessoptimierung im Filialmanagement. Der Referent versprach durch die Verzahnung eines Warenwirtschaftssystems und der Kassensteuerung eine Zeitersparnis für das Unternehmen. Bei 10 Filialen könnten durch die Verbindung der Systeme pro Tag 20 Stunden eingespart werden. Als Beispiel nannte Faulhaber den Umgang und die Erfassung von Retouren. So müsse die Verkäuferin den Bestand an Backwaren am Ende des Tages nicht mehr aufnehmen, da sämtliche Artikel bereits während des Verkaufs erfasst würden. Der Referent erklärte, dass so täglich 15 Minuten Arbeitszeit pro Verkaufsstelle gespart werden könnten. Zudem ließen sich die Umsätze der Filialen in Tabellen darstellen und auch die Personalzeiterfassung und die Beschaffung bzw. Bestellung sei durch das Kassensystem möglich. „Weg von der Zettelwirtschaft, hin zur elektronischen Erfassung“, forderte Faulhaber.
    Uwe Michaelsen, Geschäftsführer der CIC Concept Industrie Consult GmbH, Darmstadt, sprach über die Möglichkeiten und Grenzen der Chargenrückverfolgung in bestehenden und neuen Betrieben. Die Chargenrückverfolgung (CRV) soll gewährleisten, dass nur die Waren zurückgerufen werden, die ein Problem verursacht haben. Als Beispiel für aktuelle Rückrufaktionen nannte der Referent z.B. Glassplitter in Frikadellen bei einem Lebensmitteldiscounter Anfang 2008. Neben den Forderungen des Handels nach einem funktionierenden Rückverfolgbarkeits-System gebe es aber auch betriebliche Gründe für eine Einführung der CRV. So sorge die Rückverfolgbarkeit für mehr Prozess-Sicherheit, Transparenz, Controlling und eine Verbesserung der Logistikprozesse, erklärte Michaelsen.
    Mit dem Thema Wertschöpfung durch gute Personalführung beschäftigte sich Personalleiter Christoph Bautz von der Uniferm GmbH & Co. KG, Werne. „Wie bringen wir Beschäftigte einer Organisation dazu, nicht nur ihre Arbeit zu erledigen, sondern darüber hinaus auch Engagement, Mitdenken und Mitverantwortung zu zeigen?“ fragte der Referent. Nach Meinung von Bautz ist die Beantwortung dieser Frage für Unternehmen lebensnotwendig. „Im harten Wettbewerb der Zukunft sind die besseren Mitarbeiter einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren und ein wesentliches Unterscheidungskriterium zur Konkurrenz“, so der Referent. Dazu komme, dass mit immer weniger Mitarbeitern zukünftig immer mehr Leistung erbracht werden müsse. Oft könne nur durch die Motivation der Mitarbeiter ein Wettbewerbsvorteil erzielt werden. Bei Uniferm sollen z.B. regelmäßige Mitarbeitergespräche für die Motivation sorgen. Dabei werden die Mitarbeiter bewertet, analysiert und gefördert. „Durch die Gespräche kann eine gezielte Entwicklung des Angestellten erfolgen“, so Bautz. Ein weiteres Instrument zur Motivation sei die Gruppenarbeit zur Problemlösung. „Die Einführung organisierter Gruppenarbeit zur Problemlösung hat ein weiteres Arbeitsinstrument aktiviert, das hierarchie- und abteilungsübergreifend Kommunikation und Kooperation fördert“, so Bautz. Gleichzeitig werde in der Gruppenarbeit ein Rollenwandel der Führungskraft und der Mitarbeiter unterstützt.
    Reiner Geissler, Bäckermeister und Bäckereitechniker aus Brieselang, referierte zum Thema: „Wo steht mein Unternehmen – die Krise als Chance“. Geissler zeigte die unterschiedlichen Ausprägungen von Krisenverläufen auf. Als erstes nannte er die Strategiekrise. „Die Strategiekrise weist Symptome auf, die in der kurz-, mittel- bzw. langfristigen Planung eines Unternehmens ihre Ursache finden“, so der Bäckermeister. Daher solle sich jeder Unternehmer mit der Positionierung und deren Auswirkungen für sein Unternehmen befassen. Hierbei sollte der Bäcker folgende Fragestellungen für sich analysieren:
    - Wie ist meine Umsatzentwicklung?
    - Gewinne ich einen neuen Kundenkreis mit meinem Sortiment?
    - Bin ich in der Lage, auf bestehender Fläche meinen Umsatz zu steigern?
    - Wie platziere ich mein Unternehmen?
    - Werde ich weiter als Vollsortimenter am Markt sein?
    - Wie hoch präge ich meinen Spezialisierungsgrad aus?
    - Wie entwickle ich mein Unternehmen weiter?

    „Eine Strategiekrise ist in den meisten Fällen der Auslöser für die weiteren Krisenverläufe“, so Geissler. Als Beispiel nannte er die Ertragskrise. Die werde meist mit der Jahresbilanz ersichtlich. „Weist Ihr Ergebnis die schwarze Null auf, sind Sie mitten in der Ertragskrise“, erklärte der Referent. „Ihr Eigenkapital wird langsam aufgezehrt, um Ihren jeweiligen Verpflichtungen nachzukommen“, so Geissler. Als nächstes erklärte er die Liquiditätskrise. „Die Liquiditätskrise geht fast zwangsläufig aus einer nicht bearbeiteten Ertragskrise hervor. Leider befindet sich ein Großteil der deutschen Handwerksbäckereien in dieser Krisenphase“ so der Bäckermeister. Dann folge die Existenzkrise. Gerichtsvollzieher trieben Forderungen ein und Banken drohten mit der Fälligstellung von Krediten. Die Insolvenz sei meist das Endstadium einer Existenzkrise.
    Um eine Krise zu bewältigen, müsse der Unternehmer klären, ob er gewillt sei, die Situation zu verändern. Zudem sollte er klären, ob er eine Veränderung alleine herbeiführen könnte oder ob ein Berater hinzugezogen werden müsse. Der Referent empfiehlt, in regelmäßigen Abständen den Zustand des Unternehmens zu hinterfragen.

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