Anuga – auch eine Backwarenmesse
Die Welt-Ernährungsmesse Anuga 2009 in Köln schloss in diesem Jahr nahtlos an die iba an und laut Messeausrichter war sie ebenfalls erfolgreich. "Die Anuga hat ihre herausragende Rolle als zentrale Handelsdrehscheibe und Informationsplattform für die internationale Ernährungswirtschaft klar unterstrichen. Die hervorragende Qualität der Messe hat für gute Stimmung und gute Geschäfte gesorgt", bestätigt Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Koelnmesse GmbH. 153 500 aus mehr als 180 Ländern kamen laut Schlussbericht nach Köln, um sich zu informieren.
| Die niederländische Bäckerei Borgesius ist einer der dynamischen Betriebe auf dem niederländischen Bakwarenmarkt. Das Familienunternehmen betreibt sechs Bäckereien in den Niederlanden sowie ein Handelsunternehmen namens Pantrade in Belgien. Borgesius ist Teil der Bake Five, a bakery organization of 17 independent Dutch industrial bakeries. |
Gut vertreten waren in diesem Jahr auch die Backwarenhersteller und insbesondere die TK-Bäcker, obwohl manche großen Anbieter wie Hiestand/Aryzta und Lantmännen fehlten. Selbst australische Bäcker sind inzwischen überzeugt davon, dass es für ihre Spezialitäten - vor allem glutenfreie Backwaren - einen Markt in Europa gibt. Ohnehin hat sich das Spektrum der Anbieter, vor allem im TK-Sortiment deutlich internationalisiert. Nebeneffekt – es gibt die Standardteiglinge wie Croissant, Baguettes, Weizenbrötchen etc in einer breiten Preis- und Qualitätsdifferenzierung.
Das obere Ende der Qualitätsschiene markierte etwa das Angebot von „Pain & Tradition“ aus Luxemburg, dessen Inhaber, Jean Kircher, nicht zufällig eine führende Rolle in der Organisation „Slow Baking“ spielt. Pain & Tradition hat sich auf Brot und Brötchen der französischen Backkunst spezialisiert, während Kollegen aus dem Kreis der Slow-Baking-Betriebe mit einem Sortiment an kleinen Gastronomiebroten am Stand vertreten waren. Die Mitglieder der Organisation Slow Baking verpflichten sich auf den Einsatz europäischer Rohstoffe, die systematische Verwendung von Bio-Getreide sowie den weitgehenden Verzicht auf chemische Zusätze und beschleunigte Produktionsverfahren. Mit einem eigenen Magazin informieren die Betriebe ihre Kunden über Slow Baking, Backwaren und Ernährung.
Neben der Fülle an neuen Produkten oder Produktvariationen fielen zwei konzeptionelle Innovationen ins Auge.

Die niederländische Bäckereigruppe Borgesius zeigte ein Konzept für Backstationen, das diesen erlaubt, auf halbgebackene Ware zu verzichten. Die Idee basiert auf zu 30 % vorgegarten, tiefgefrorenen Teiglingen, die im Ladenbackofen fertig gegart und gebacken. Vor dem Einschub in den Ofen kann läst man den Teigling zehn bis fünfzehn Minuten defrosten, beliebig kann er durch Schnitte oder Bestreuung etc. dekoriert werden. Gebacken wird je nach Produkt bei 125 bis 210 °C mit Schwadengabe. Vorteile zählt Borgesius gleich mehrere auf: Das Brot, so die Niederländer, die dieses Konzept den Handel, Bäckereien, der Gastronomie und Hotels anbieten, wird nur einmal gebacken und zeigen dies im Vergleich zu halbgebackenen Tiefkühl-Teiglingen durch ihre länger Frische und bietet dank individueller Dekormöglichkeiten auch Differenzierungsmöglichkeiten. Außerdem sind die Teiglinge kleiner im Volumen als halbgebackene Ware, so dass weniger Lagerfläche gebracht wird. Das Brotsortiment sieht zwei Brotgewichte vor, Teiglinge mit einem Gewicht von 450 oder 850 Gramm. Neben Brote aus klassischen Weizenteige, die mit Oliven, Käseoder mediterranen Gewürzen variiert wurden, Weizenvollkornbrote, ein Dinkel- und ein Multiseed-Brot. Das Brötchenprogramm ist ähnlich differenziert.
Ein vergleichbares Konzept bietet Borgesius dem Lebensmittelhandel für die TK-Truhe an. Die Tiefkühlbrote für die Endverbraucher sind im Karton in einen Folienbeutel verpackt. Mit dem Beutel sollen die Verbraucher das „Pain Borgette“ in den kalten Ofen schieben und langsam aufheizen. Insgesamt braucht das Brot bis zur Fertigstellung eine Stunde und die Maximaltemperatur soll bei 180 °C liegen. Die Folie stabilisiert die Feuchtigkeit im Teigling und sorgt dafür, dass auch bei einer Backzeit von knapp einer Stunde die Brote nicht austrocknen.
Ein zweites interessantes Konzept für das erstmalige Backen im Laden zeigte Grain d'or Gel aus Frankreich. Geliefert werden ungegarte Tiefkühlteiglinge, die auch nach dem Auftauen im Kühlschrank bis zu drei Tage backfähig, ohne Form oder Aroma zu verlieren bzw. zu verändern. Auf diese Weise können Backstationen Vorräte im Plusbereich lagern und je nach bedarf abbacken, was sowohl Zeit wie Energie spart.
Die unter dem Markennamen „Resto Guette“ verkauften Teiglinge erhalten diese spezielle Eigenschaft durch die Verwendung spezieller Hefen.