AIBI Wachwechsel

Die Entwicklungen der Rohstoff- und Absatzmärkte waren zentrale Themen des diesjährigen AIBI-Kongresses in Berlin (26–29. Mai 2011). Gleichzeitig fand ein Wachwechsel an der Spitze des Verbandes statt. Die Association Internationale de la Boulangerie Industrielle (AIBI)  hat ein neues Ehrenmitglied. Einstimmung sprachen die Mitglieder des Verbandes damit ihrem langjährigen Geschäftsführer Helmut Martell ihren Dank und ihre Hochachtung aus. Auf der diesjährigen Tagung in Berlin führte er ein letztes Mal Regie, gemeinsam mit seiner Nachfolgerin Susanne Döring, die den Verband künftig von Brüssel aus führen wird.


Der Wechsel in der Geschäftsführung war allerdings nicht die einzige Personalie, die in Berlin beschlossen wurde. Turnusmäßig gab der bisherige Präsident des Verbandes, Georg Heberer, sein Amt an den Vertreter einer anderen Mitgliedsnation weiter. Zum Präsident für die nächsten drei Jahre wählte die Generalversammlung Albert Schipper aus den Niederlanden.
In ihrer ersten Amtshandlung auf diesem Kongress stellte Susanne Döring den AIBI Market Report vor, der auf den Zahlen von 2008 basiert. Demnach entwickeln sich die Brotmärkte in Belgien, Frankreich, Deutschland und Griechenland stabil, während die Hersteller in Spanien, Slowenien, Finnland und Großbritannien Einbußen hinnehmen mussten. Insgesamt sank die produzierte Menge in den 14 am Vergleich teilnehmenden Ländern um 7,2 %, während der Konsum sogar um 7,6 % reduziert wurde. Die Zahl der industriell produzierenden Bäcker in diesen Ländern beläuft sich laut Döring auf 1.092. Den größten Marktanteil der Industrie findet man in den Niederlanden mit 81 % und in UK mit 80 %, der Durchschnitt liegt allerdings bei 45 %.
Als Problem schilderte Döring die Entwicklung auf dem Weizenmehlmarkt. Der durchschnittliche Weizenpreis in den 14 Ländern sei 2010 im Vergleich zu 2009 um rund 80 % auf 300 EUR/t gestiegen. Gleichzeitig sei es zunehmend schwieriger für die Hersteller, die Preiserhöhungen an die Abnehmer und Verbraucher weiterzugeben. Für 2011 erwarte man einen Verbleib der Weizenpreise auf dem hohen Niveau.
Die Brotpreise in Europa variieren in großem Umfang. In Bulgarien, Griechenland und der Türkei liegen sie deutlich unter dem Durchschnitt der 14 Länder, in Finnland, Deutschland und Italien ebenso deutlich darüber.
Auf die Entwicklung der Getreidemärkte ging auch George Mason von der Heygates UK Limited in seinem anschließenden Vortrag ein. Er zeigte auf, wie sich die Schwankungsbreiten bei den Weizenpreisen in den vergangenen zehn Jahren von 60 EUR/t auf 177 EUR/t vergrößert hatten. Daran, so Mason, seien nicht nur die Spekulationen schuld, sondern auch die Tatsache, dass die Nachfrage langsam aber kontinuierlich stärker wachse als das Angebot. Ursache dafür sei das Bevölkerungswachstum, die Übernahme westlicher Ernährungsmuster beispielsweise in China, aber auch der wachsende Bedarf für industrielle Zwecke wie der Treibstoffherstellung. Der Weizenmarkt sei allerdings noch weit davon entfernt, ähnliche Engpässe zu zeigen wie der Maismarkt, der von einem hohen Verbrauch für die Ethanolherstellung gekennzeichnet sei. Allerdings zeige sich auch bei Weizen, dass die Vorräte heute nicht mehr bei den Erzeugern liegen, sondern bei den Importeuren. China allein lagere ein Drittel der weltweiten Vorräte und könne sich damit für ein Jahr versorgen. Vor diesem Hintergrund warnte Mason vor der exzessiven Genehmigung von Weizenausfuhren durch die EU. Gegenwärtig werde der Markt darüber hinaus von den politischen Unruhen in den arabischen Ländern, den Katastrophen in Japan und dem zunehmenden Engagement von Fondsmanagern im Rohstoffgeschäft beeinflusst. Auch der Fall des von Russland im vergangenen Herbst verfügten Ausfuhrverbots von Weizen, der unmittelbar bevorstünde, werde deutliche Spuren bei den Weltmarktpreisen hinterlassen.

In weiteren Vorträgen der Veranstaltung sprachen Prof. Dr. Ulrich Noehle über alte und neue Risiken durch die Globalisierung, Prof. Dr. Matin Qaim über die Herausforderungen für die Landwirtschaft und Miguel Lladó über die Veränderungen auf den Märkten und die notwendigen Reaktionen der Hersteller darauf.

Eine Zusammenfassung der Vorträge finden Sie hier.

Die wichtigsten Trends auf Europas Brotmärkten

Marktentwicklung

  • hohe Rohstoffkosten und dadurch Preisanstieg
  • wachsende Transportkosten
  • wachsende Energiekosten
  • niedrige Margen für Industriebäcker
  • hoher Preisdruck durch LEH und Discounter
  • wachsende Bedeutung von Backstationen in Supermärkten
  • neue Verkaufskonzepte im Handel
  • mehr Einsatz von Tiefkühlbackwaren

Produktinnovation und –entwicklung

  •  Gesundheitsdiskussion – Vollkorn, Ballaststoffe, Omega 3-Fettsäuren, Cholesterinsenkung
  • Health Claims-Diskussion – Produkte mit Zusatznutzen
  •  Bake off wächst

Konsumentenverhalten/Brotkonsum

  • weiterhin sinkender Brotkonsum
  • Brotkonsum unter Druck durch Frühstücksalternativen und Fast Food
  • wachsendes Interesse der Konsumenten für Natürlichkeit, Convenience und Genuss
  • wachsender Out-of-home Konsum
  • weniger Zeit für die Zubereitung von Speisen zuhause

Quelle: AIBI Market Report 2010

Quelle: AIBI Market Report 2010
Quelle: AIBI Market Report 2010

Quelle: AIBI Market Report 2010
Quelle: AIBI Market Report 2010